Ich kaufe, also bin ich? Von der Kunst, genug zu Haben

Wir Menschen in den reichen Industrieländern haben einen Hang zum Überfluss, zum Maßlosen – und zum Absurden.

Wir sind Weltmeister im Habenwollen und Besitzen, kaufen und konsumieren, bis der Arzt kommt. Dabei brauchen wir eigentlich nur einen Bruchteil dessen, was wir besitzen, dabei wissen wir auch selbst, dass Konsum allein uns nicht glücklich macht und dass wir die Erde mit unserer Unersättlichkeit zu zerstören drohen.

 

Höchste Zeit, sich der Realität zu stellen – höchste Zeit, innezuhalten und umzudenken. 55 Kilo Waren konsumiert jeder einzelne Durchschnittseuropäer täglich: Coffee-to-go im Plastikbecher, Kleidungsstücke aus künstlichen oder industriell verarbeiteten Materialien, Benzin und Diesel, Heizöl und Strom. Dies alles auf Kosten der natürlichen Ressourcen – auf Pump sozusagen, bis der Planet, auf dem wir leben, nicht mehr mitmacht, es nicht mehr geht.

Dennoch kaufen wir fröhlich weiter, haben es so inzwischen auf einen Besitz von rund 10.000 Dingen pro Kopf gebracht. Dinge, die wir brauchen und die sich verbrauchen, aber vor allem Dinge, die einfach nur rumstehen und nicht wirklich von uns gebraucht werden – die wir aber sauber halten und pflegen, ordnen und sortieren müssen und in deren Erwerb und Erhalt wir viel wertvolle Lebenszeit investieren.

Zeit, die uns oft fehlt für das, was uns wirklich glücklich macht: Zwischenmenschliches wie Zuwendung und Zuneigung, Freundschaft und Liebe, die Gemeinschaft, das Mit- und Füreinander, aber auch Helfen, Lernen und Erleben – und damit das Leben an sich.

 

Immer mehr Menschen erkennen dies. Sie ziehen die Konsequenzen und entziehen sich dem Überfluss, entscheiden sich bewusst zu mehr Einfachheit, verkürzen ihre Arbeitszeit und verdienen weniger, konsumieren bewusst und leben mit weniger, um mehr Zeit für das Leben zu haben. Ein Trend, der inspiriert – und uns alle dazu auffordert, das Sein statt das Haben zu mehren.

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