Therapeutisches Schreiben

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Wer ein Tagebuch führt, kennt das Gefühl: Sobald ein Problem niedergeschrieben ist, fühlt man sich freier, kann klarer denken und eine Lösung finden. Laut Experten keine Einbildung, sondern Fakt und ein therapeutischer Ansatz, der es wert ist, in unser aller Alltag integriert zu werden.
Denn tatsächlich wirkt Schreiben lebensverbessernd, ja geradezu selbstheilend: Schreiben entlastet die Seele und erleichtert den Umgang mit Belastungen, Kummer und Sorgen, hilft uns, Ängste zu bewältigen und schmerzhafte Erlebnisse zu verarbeiten.

Völlig gleich, ob es der Liebeskummer ist, die Wut auf den ungerechten Chef oder der Schreck nach einer ärztlichen Diagnose – völlig gleich, ob man seine Gedanken und Gefühle ganz „oldschool“ mit einem Stift zu Papier bringt oder ins Smartphone tippt: Es tut unendlich gut, sich das, was einen bewegt, von der Seele zu schreiben und so seine Emotionen zu ordnen, seine Kümmernisse einem Heft oder Gerät anzuvertrauen, das keine Widerworte oder gute Ratschläge gibt, keine Kritik äußert oder Vorwürfe macht, sondern die Dinge einfach nur so annimmt, wie sie sind. Und es ist unendlich hilfreich, so Distanz aufbauen zu können – Distanz zur Situation, deren Umstände sich nun objektiver wahrnehmen lassen, so dass urplötzlich neue Lösungsansätze sichtbar werden, bislang Auswegloses mit einem Mal bewältigbar erscheint.
Wer schreibt, sobald im tiefen Innern der Seele ein Sturm tobt, tut sich also etwas Gutes, verbessert seinen psychischen Zustand, hilft sich bei der Überwindung von Lebenskrisen und therapiert sich selbst. Daher auch der Begriff „therapeutisches Schreiben“ – und damit eine in der psychotherapeutischen Praxis anerkannte Behandlung, die sich, wie zahlreiche Studien belegen, auch als Mittel zur Selbsthilfe eignet.

Für welche Art von therapeutischem Schreiben man sich entscheidet, ist dabei jedem selbst überlassen. Wichtig ist nur, dass die gewählte Technik zur Persönlichkeit passt und einen gewissen „Flow“ ermöglicht, sie die inneren Empfindungen ohne Blockaden fließen und damit die gewünschte Distanz entstehen lässt. Und so bevorzugt der eine Free-Writing – eine Methode, bei der man ohne langes Nachdenken alles niederschreibt, was einem spontan durch den Kopf geht, der andere führt ein Tagebuch, wiederum andere schreiben Gedichte oder gar einen Roman. So oder so ist jede Art des Schreibens ein höchst intimer Prozess, eine Reise zu sich selbst, und damit auch eine Methode, um mehr über sich selbst zu erfahren und sich selbst besser zu verstehen, bislang Unterdrücktes und Unterbewusstes an die Oberfläche zu bringen, aber auch neue Zusammenhänge und Sichtweisen herzustellen, die Fähigkeit zur Selbstreflexion, Analyse und Imagination und damit die gesamte Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

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